Und die Menge brüllt.

Wir sitzen unter einem blauen Pavillon auf dem Dach des Madpacker Hostels in Pushkar. Über mir schaut der blaue Himmel durch ein grünes Geflecht von Lianen, unter mir liegen bunte Decken und weiche Kissen. Die Nachmittagsluft ist geschwängert von Kokosnussöl und aus den Boxen dröhnt eine Mischung aus traditioneller indischer Musik und Goa-Trance. Mein Blick streift über die zahlreichen Bergketten und Hügel, die Pushkar umgeben. Es sind braungraue Felsen mit einigen wenigen grünen Tupfern. Ich kratze mich nachdenklich am Kopf und finde blaue Farbreste an meinen Fingern. Seit dem letzten Blogbeitrag sind nur wenige Tage vergangen und doch ist so viel Außergewöhnliches passiert, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht am besten da, wo ich aufgehört habe…

Am letzten Abend in Udaipur lassen wir uns von einer Rikscha zum Sammelpunkt der Nachtbusse außerhalb der Stadt bringen. Die Anwesenheit weiterer Rucksacktouristen lässt uns aufatmen, denn sie deutet auf die richtige Haltestelle hin. Wir hatten schon Schauermärchen über Touristen gehört, die von dubiosen Rikschafahrern so lange durch die Gegend gefahren worden seien, bis sie ihren Bus verpasst hatten. Glücklicherweise besaß dann immer der Bruder des Fahrer zufällig noch freie Zimmer in seinem Hotel. Haha. Nun denn, wir befinden uns also an der richtigen Haltestelle und mit uns zahlreiche andere Reisende. Nach einer Weile werden einige, ausgewählte von einem kleinen Taxi abgeholt und zum Reisebus gebracht. Sie haben AC, also Bus inklusive Klimaanlage, gebucht und sind deshalb privilegiert. Nach weiterer Wartezeit werden dann auch wir schließlich abgeholt. (Meinen Berechnungen nach sollte der Bus bereits vor einer Stunde abgefahren sein.) Das Taxi kostet natürlich Geld und wir fragen uns, warum uns nicht direkt die richtige Haltestelle genannt worden war. (Warum fragen wir uns das eigentlich noch?) Am Bus angekommen stellt sich heraus, dass es gar keinen Non AC Bus gibt und alle Touristen zusammen den selben AC Bus nutzen – mit dem Unterschied, dass wir viel weniger bezahlt haben. Haha. Na dann Gute Nacht. Am nächsten Morgen steigen wir früh aus dem Nachtbus. Die ersten Sonnenstrahlen treffen mein übernächtigtes Gesicht und ich lege meine Hand schützend vor meine Augen. Die weißen Hauswände reflektieren die helle Morgensonne und man merkt bereits jetzt, dass wir uns in der zwischen Pakistan und Jaisalmer gelegenen Wüste Thar befinden. Nach einer kurzen, viel zu teuren, Taxifahrt stehen wir schließlich am Ziel unserer Reise. Das Hotel Alyanta Haveli in Jaisalmer. Man sollte besser sagen im staubigen Jaisalmer, denn bis auf Wüstenstaub und das Hotel ist hier auch nicht sonderlich viel. Wir stehen also vor dem Hotel, wundern uns, wie warm es bereits am frühen Morgen sein kann und warten. Warten? Worauf eigentlich? Wir warten auf Meer Khan. Wer oder was das ist, ist uns in diesem Moment selber nicht ganz bewusst. Meer hatte uns über couchsurfing eingeladen, einige Tage bei ihm zu wohnen. Dankend hatten wir angenommen und saßen nun am vermeintlichen Treffpunkt in Jaisalmer. Irgendwann frage ich im Hotel nach, ob sie einen gewissen Meer Khan kennen würden. Drei Minuten später sitzen wir in einem Hotelzimmer, Meer sei informiert und wie sollten uns wie zu Hause fühlen. Das tun wir natürlich nicht. Wie auch? Total perplex und müde sitzen wir auf dem Bett und fragen uns, a) ob wir das Zimmer jetzt zahlen müssen, b) wer Meer denn eigentlich sei und c) wo wir überhaupt gelandet sind. Irgendwann fliegt die Tür auf und Meer steht mit einem breiten Grinsen auf der Schwelle. Ungefähr 1,79 m groß, schlank, schwarzes volles Haar und braun gebrannt. Das kann nur Meer sein! How are you guys?

Es stellt sich heraus, dass seiner Familie das Hotel um die Ecke gehört und wir die kommenden Nächte in dem Hotel seines Freundes oder Bruders oder Cousins oder so schlafen dürfen. Irgendwie sind für ihn alle seine Brüder, auch wir. Das ist irgendwie nett, doch fällt es mir schwer, auf diese Weise wahre von Fake-Brüdern zu unterscheiden. Aber wahrscheinlich denke ich mal wieder in den falschen Kategorien und das ist am Ende auch gar nicht so wichtig. Hauptsache Bruder. Meers Familie kommt ursprünglich vom Land, doch haben es er und seine vier Brüder irgendwie geschafft, zu Wohlstand und Ansehen innerhalb der Stadt zu gelangen. Gelegentlich wird Meer während unseres Aufenthalts von seinem Vater angerufen. Der Sohn hatte sich schon länger nicht gemeldet. Meer redet beschwichtigend auf ihn ein und bald ist das Gespräch vorbei. Mit einem Grinsen erzählt er uns, dass ihn sein Vater vor den Lastern des Lebens warnen wollte, unter Anderem vor Alkohol, und nimmt einen großen Schluck Bier. Seinem Vater sollen wir aber nicht davon berichten. Er lacht. Am nächsten Morgen macht Meer uns eine Liste mit Sehenswürdigkeiten, die wir uns in Jaisalmer nicht entgehen lassen dürfen und fährt zur Arbeit als Verkäufer in einer Textil Fabrik. Wir besichtigen auch in Jaisalmer das Fort, mit dem Unterschied, dass hier noch Menschen innerhalb der Mauern leben. Ein weiterer Höhepunkt ist der Jain Tempel. Um genauer zu sein, ist es eine ganze Tempelanlage mit vielen Verzierungen und Schnitzereien. Neben dem Buddhismus und Hinduismus ist auch der Jainismus ein Ableger des Brahmanismus. Der ursprünglichen Religion. Am Nachmittag treffen wir Meer in den Räumlichkeiten der Tuchverkäuferfamilie. Er zeigt uns unglaublich schöne aber teure Stoffe und wir besichtigen eine der Havelis. Es gibt insgesamt fünf Havelis, die ein reicher Händler vor hunderten von Jahren für seine fünf Söhne zum Wohnen bauen ließ. Diese fünf Havelis sind nicht nur unglaublich schön verziert, sondern auch hoch. Meer zeigt uns das Rooftop und wir verbringen einige Zeit bis zum Sonnenuntergang auf dem Dach.

Meer ist dermaßen von Daniels blondem Bart entzückt, dass er Daniel kurzerhand in Baba (indische Männer mit langen weißen Bärten) umtauft. Und weil Daniel zusätzlich das indische Gericht Thali (Brot mit 3-5 verschiedenen Saucen) zu seiner Leibspeise erkoren hat, nennen wir ihn ab sofort nur noch Thali Baba. Damit hat er sich bereits abgefunden. Dieser Nme passt umso besser zu ihm, als wir einen Tag später zur Wüstensafari aufbrechen. Ausgestattet mit der leichtesten Kleidung und einem dicken Pullover für nachts, stehen wir schließlich fertig gepackt und gewappnet für den endlosen Wüstensand vor dem Hotel. Ein Jeep holt uns ab und wir fahren in Richtung der Wüste Thar. Der Fahrer stellt sich uns mit einem breiten roten Grinsen vor. Wie alle Inder kaut er Betelnuss und speit bevor wir losfahren fröhlich aus. Er spricht nur gebrochenes Englisch und wir denken uns den Rest. Jetzt geht es auch schon los. Wir lassen das staubige Jaisalmer hinter uns und fahren in die noch viel staubigere Wüste Thar. Die Mittagshitze flimmert auf dem Dach des Jeeps und ich schließe die Augen im Fahrtwind. Dann sind wir auch schon da. Oder auch nicht? Der Fahrer erklärt uns, dass wir uns zunächst einmal Ghostcity anschauen sollen. Eine vor etwa hundert Jahren schlagartig verlassene Stadt mitten in der Wüste. Draußen sind gefühlte vierzig Grad im Schatten und uns ist gerade so ganz und gar nicht zum sightseeing zumute. Wir quälen uns aus dem Auto und schleppen uns durch die Hitze bis zum nächsten schattigen Plätzchen. Der Blick schweift umher. Vor uns liegt ein Trümmerfeld aus Steinbrocken. Hier muss wohl einst eine sagenumwobene Wüstenstadt gelegen haben. Jetzt sind hier nur noch Mauerreste und Steine, die die einstige Schönheit kaum erahnen lassen. Vielleicht die Größe. Ich muss unweigerlich an Pompeji denken, die endlosen Straßen in der Mittagshitze Süditaliens. Nur gibt es hier leider keine Mosaike und Wandmalereien, nur Steine. Steine in allen erdenklichen Größen und Formen. Steine über Steine. Grobe Steine, geformte Steine, zerbröselte Steine und Steinstaub. Wind zieht auf und erlöst mich von den Steinen. In einiger Entfernung beginnt der Wind sich im Kreise zu drehen. Eine kleine Windhose. Wow. Doch sollte man sie vielmehr eine Müllhose nennen, denn der Wind scheint sämtliche Plastiktüten, Coladosen und Pappteller vor sich herzutragen. Was für ein Anblick. Doch so schnell wie die ersehnte Ablenkung gekommen ist, so schnell ist sie auch wieder fort. Mit ihr auch sämtlicher Müll. Zurück bleiben nur die Steine. Auf dem Weg zurück zum Auto beobachten wir einige Arbeiter, die in dieser Hitze tatsächlich versuchen, eine Straße zu den Ruinen zu bauen. Der Staat plant hier nämlich einen archäologischen Abenteuerpark inklusive Hotels, rekonstruierter Häuser, Restaurants und allem was dazu gehört. Am Auto angekommen frage ich unserem Fahrer, wie oft es hier im Schnitt regnen würde. “God happy a lot of rain – God no happy no rain” Gott muss in den letzten Jahrzehnten verdammt unhappy gewesen sein, so wie es hier aussieht, denke ich und wir fahren immer weiter hinein in das gottlose Land.

Gegen sechzehn Uhr biegt der Jeep plötzlich von der Straße ab und fährt querfeldein vorbei an Kakteen und ausgedörrten Pflanzen in Richtung einer kleinen Häuseransammlung. Wir haben unser Ziel, ein kleines Dorf, erreicht. Nach einer kleinen Stärkung (Plätzchen und Tee) warten wir auf unsere Kamele. Wir haben nämlich eine Kamelsafari gebucht. Was auch immer das genau ist. Wir vertreiben uns die Zeit, in dem wir uns ein wenig die Lehmhütten anschauen. Besonders interessant scheint die hier vor allem in Form von Geländewagen Einzug gehaltene Form von Modernisierung, die so ganz im Widerspruch zu den uns umgebenden Hütten steht. Nach einer Weile trotten vier große Kamele um die Ecke auf uns zu. Sie sind unheimlich groß und wir fragen uns, wie zum Teufel wir nur auf diesen Tieren reiten sollen. Ganz einfach, wie Keke unser Führer schließlich erklärt. Nachdem sich das Kamel ein wenig widerwillig hingelegt hat, steige ich auf. Dann gut festhalten und zurücklehnen. Mit seinen federnden Sprunggelenken schnellt das Kamel in die Höhe und ich befinde mich plötzlich drei Meterüber dem Erdboden. Irgendwie erhaben und irgendwie unwohl. Nachdem alle aufgesessen haben und mehr oder weniger wackelig im Sattel hängen, zieht die Karawane los. Immer Richtung Wüste. Ein wenig dämlich kommen wir uns schon vor, wie unbeholfen wir da in unseren Satteln sitzen. Was müssen die Einheimischen nur denken? Da kommen einige Großstädter und bezahlen viel Geld, um auf einem Kamel zu reiten und in der Wüste zu schlafen. Haha. Wir trotten also in der Nachmittagshitze auf unseren schnaubenden Kamelen in Richtung der großen Wüste. Entlang an staubigen Pisten, Kakteen, ausgetrockneten Pflanzen und Karawanen von Chinesen, die auf ihren Kamelen nichts besseres zutun haben als pausenlos Selfies aufzunehmen. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir eine bildschöne Dünenlandschaft auf der wir unser Nachtlager aufschlagen wollen. Insgeheim bin ich ganz froh, dass wir von unseren Kamelen absteigen dürfen, da meine Oberschenkel bereits die Form des Sattels angenommen haben. Wir schauen uns den Sonnenuntergang an und bereiten gemeinsam mit unseren Führern das Abendessen vor. Es gibt Gemüse mit Chapati. Mhhhm. Rezept siehe unten.

Nach dem leckeren Abendessen bereiten wir unser Nachtlager vor und sitzen noch eine Weile am Lagerfeuer. In der Nacht schlafen wir leider sehr unruhig. Das Geräuschspektrum variiert von leise krabbelnden Käfern unter dem T-Shirt bis zu jaulenden Hunden am Fußende und schnarchenden Kamelen im nächstgelegenen Dornbusch. Fantastisch so eine Wüstennacht. Zudem ist es bitterkalt und der Vollmond entpuppt sich als Schreibtischlampe, die direkt auf mein Gesichts gerichtet ist. Nach dem Frühstück schwingen wir ein zweites Mal unsere schmerzenden Oberschenkel auf die bockigen Kamele und machen uns auf den Heimweg. Adieu Wüste und Bonjour Jaisalmer. Hier verbringen wir heute unseren letzten Tag. Etwas später werden wir auf dem Heimweg von Ram, einem Brahmanen, der einen Teeladen besitzt, spontan zu sich und seiner Familie nach Hause eingeladen. Spontan begleiten wir ihn auf einen Chai und lassen uns sein Haus zeigen. Wir freuen uns sehr über die Einladung und den Einblick in sein Leben. Am Abend verabschieden wir uns von Meer und steigen in den Nachtbus nach Pushkar zum Holi Festival 2017.

Nach einer zweistündigen Fahrt hält der Bus plötzlich an. Draußen höre ich Stimmengewirr. Ich luke durch einen Spalt der Vorziehgardine und mein Atem stockt. Um den Bus drängt sich eine riesige Menge Inder. Die wollen doch wohl nicht alle hier einsteigen? Und doch, genau dies ist der Fall. Zehn Minuten später ist der Bus zum Bersten gefüllt. Es ist zwei Uhr Nachts und man fragt sich, woher auch immer all diese Menschen zu dieser späten Zeit kommen. Und wo sie hinwollen? Dann ist der Bus voll. Nein, es drängen immer mehr hinein. Als der Innenraum wirklich nicht mehr voller geht, beginnen sie auch noch das Busdach zu erklimmen. Wir schauen heimlich aus dem Fenster unseres Schlafabteils auf die dicht gedrängt stehenden Menschen im Bus hinunter und schämen uns ein wenig für unseren Luxus. Aber wir
haben mit Sicherheit auch das zwanzigfache des local Preises gezahlt. Jeder Versuch zu schlafen wird von nun an von einem wilden Inder verhindert, der quasi neben meinem Ohr den ganzen Bus zusammenbrüllt. Und wenn man glaubt, es könne nicht schlimmer kommen, setzt der marode Bus noch einen drauf. Das Fenster zu unserem Abteil schließt nicht richtig und nach einigen Stunden sind wir komplett durchgefroren. Bei fünf Grad Außentemperatur ist dies mindestens genauso unangenehm wie der Brüllaffe neben mir. Irgendwann gegen fünf Uhr morgens erlöst uns der Busfahrer von unseren Qualen und wir steigen komplett gerädert in Pushkar aus. Na dann Happy Holi. Gähn. Bibber.

 Glücklicherweise ist Holi erst am Abend des folgenden Tages und wir können bis dahin noch ein wenig in Pushkar entspannen. Am allerbesten entspannt man in Pushkar im Madpackers Hostel. Eigentlich hatten wir das Hostel gar nicht auf dem Schirm. Im Nachhinein war es unser Glück, dass alle anderen Hostel der Stadt schon ausgebucht waren. Das Madpackers gab es zu dem Zeitpunkt erst seit fünf Tagen und wir verbrachten ein super Holi Festival dort. Für das Holi Festival organisierten die Besitzer ein buntes Programm inklusive notwendiger Informationen fürs Holi und Party. So war jeder bestens vorbereitet auf das wohl farbenfroheste Fest Indiens. Nebenbei ist das Hostel auch das schönste, das ich je zu Gesicht bekommen habe. Sieben Jahre hat eine lokale Künstlergruppe die Wände des ehemaligen Hotel mit Figuren und Verzierungen bemalt. Die Malereien sind so zahlreich, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt und nur noch mit offenem Mund durch das Hostel läuft. Wenn man dann zufällig auf die Terrasse stolpert, kann man sich gleich das leckere gratis Frühstück in den Mund fliegen lassen und die fabelhafte Aussicht über das Umland Pushkars genießen. Pushkar selber war eher unspektakulär, da die Straßen überwiegend mit Touri Ramsch und israelischen Touristen überladen waren. Und nun zum Holi: Das indische Holi Festival findet immer Mitte März zum Vollmond statt und ist vergleichbar mit dem Karneval bei uns. Die Abklatsch Holifeste, die in den letzten Jahren überall inDeutschland aufgeploppt sind, sind jedoch kein Vergleich zu dem, was wir in Pushkar erlebt haben. Am Vorabend des Holis wird innerhalb des Dorfes das Fest initiiert. Neben vielen Ritualen wird ein riesiges Lagerfeuer errichtet. Wir hatten das Glück die Zeremonie von einem Hausdach aus beobachten zu können. Ein Pulkvon Menschen steht um ein gigantisches Feuer herum und gibt in regelmäßigen Zeitabständen Opfergaben in die zündelnden Flammen. Dazu werden Feuerwerkskörper gezündet und Trommeln geschlagen. Im Anschluss gehen wir weiter zu der lokal organisierten Goa-Trance Party, die einige Straßen weiter stattfindet. Als wir den Platz betreten kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, eine riesigeMenschenmenge bewegt sich im Rhythmus zu hartem Techno und über allem schwebt ein langhaariger DJ Jesus. Untermalt wird die ganze Szenerie von Strobolicht und Laser. Vollkommen abgefahren. Wir begeben uns also mitten in die Menschenmenge hinein (,die nebenbei aus über 95,9% männlichen Indern besteht). Die Party ist noch jung und von den äußeren Rändern strömen immer mehr Menschen auf den Platz. DieMenge brüllt. Wie ein Raubtier, ein Ungetüm verschlingt sie uns. Es ist unglaublich. Doch irgendwann entschließen wir uns dazu, das Spektakel aus sicherer Entfernung zu beobachten. Kinder tanzen wild zur Musik auf den Boxen und Inder im Rausch. Dann plötzlich ist der Strom weg, die Musik aus. Der Jesus schaut verzweifelt auf seinen Laptop. Vielleicht ist jemand über ein Kabel gestolpert? Vielleicht ist das Stromnetz überlastet? Beides würde mich nicht wundern. Dann ist sie wieder da, die Menge jauchzt und die wildeste Party, die ich je gesehen habe geht weiter. Immer weiter. Durch die Nacht. Doch wir gehen erstmal zurück ins Hostel.

Am nächsten Morgen ist es endlich soweit. Mit einem fröhlichen Happy Holi und einer Handvoll orangener Holi Farbe mitten ins Gesicht werde ich begrüßt. Wir setzen unsere Sonnenbrillen auf, ziehen den Mundschutz und die weiße Kleidung über und starten mit unseren Farbbeuteln in die Stadt. Überall in der ganzen Stadt werden Menschen mit Farben beworfen und Wasser bespritzt. Eine einzige Staubwolke hängt über den Straßen, alle sind ausgelassen und feiern. Vielleicht teilweise zu ausgelassen. Berührungsängste gibt es an diesem Tag nicht. Mit Farben werde ich beschossen, mit Farben schieße ich zurück. Blau – rot – grün – gelb. Pink färbt am besten. Meine Haare sind lila – mein Gesicht ist orange.Und wieder: Die Menschenmenge feiert in den Straßen. Alles ist bunt, die Menschen, die Kühe, die Autos, der Boden – voll Farbschlamm. Irgendwann reißt mir jemand das Hemd vom Leibe und ich Reihe mich ein in die nackten, bunten Oberkörper ein… gegen Mittag kehren wir zum Hostel zurück und waschen, bürsten und seifen uns die Farben vom Leibe. Happy Holi auch nach Deutschland!

 

Mixed Vegetables alla desert (Wüstengemüse mit Sand)
1. Grüne Chili und Zwiebel in Öl anbraten
2. Curry, Knoblauch, Gurke und Chili dazugeben
3. Tomaten und Masala Gewürz
4. Gemüse (Kartoffeln, Blumenkohl, Erbsen)

Chapati
1. Weizenmehl, Wasser und Salz mischen
2. Teig 30 min ruhen lassen, Kleine Bällchen und daraus Scheiben formen

Chai Tee
1. ein wenig Wasser aufkochen
2. Zerdrückte Ingwer dazugeben
3. 1/2 l Milch und 3 EL Zucker aufkochen
4. Schwarzer Tee 3 min aufkochen

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